Mein schwerster Text

Noch nie ist es mir so schwer gefallen, etwas zu schreiben. Aber es war mir auch noch nie so wichtig. Gestern Abend ist meine Mutter auf der Intensivstation des örtlichen Krankenhauses gestorben. Ich war bis zuletzt dabei, weil es mir sehr wichtig war, daß sie nicht alleine ist.

Meine Mutter hatte selbst eine Kindheit, wie man sie niemandem wünscht. Eine Mutter, die einfach nicht akzeptieren wollte, daß sie ein Kind hat („Nenn mich nicht Mutter sondern Else, wenn Leute dabei sind.“) und die eher zu Sadismus als Kinderliebe neigte. Eine typische Szene: „Ins Kino willst du? Das kannst du, wenn du das hier aufgeräumt hast.“ Mit diesen Worten zog sie eine Schublade aus dem Schrank und entleerte sie auf dem Fußboden.

Als Teenager wurde sie zum Arbeitsdienst eingezogen und wurde kreuz und quer durch Deutschland und Österreich versetzt. Als die Alliierten näher rückten, saßen die Mädchen mit einem Drahtkleiderbügel „bewaffnet“ in einem Graben neben der Straße. Irgendwann hat sie sich mit einer Freundin bis nach Hamburg durchgeschlagen. Dann war der Krieg vorbei und sie konnte nach Hause zurück.

Meine Mutter sagte mir einmal, daß sie sich geschworen hätte, daß ich eine bessere Kindheit haben sollte. Was soll ich sagen … Mama, du hast alles richtig gemacht. Machs gut!

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