Wie meine Koffer einmal alleine verreist sind oder: FAHREN SIE LINKS!

Vor Jahren sind meine Frau (damals noch meine Freundin) und ich nach Irland in Urlaub gefahren. Wir hatten über einen auf Irlandreisen spezialisierten Reiseveranstalter ein Cottage am Ring of Kerry im Westen und die zugehörigen Flüge gebucht. Es ging von Köln aus nach Dublin und von dort per Miniflieger zum County Kerry Airport. So war es zumindest geplant. Dort sollte ein Leihwagen stehen, den ich von Aachen aus gebucht hatte. Zumindest war auch das so geplant.
In Dublin wurde gerade mördermäßig umgebaut und als wir nach dem Abfluggate fragten, sagte die nette Dame am Infoschalter: „Oh, wo Gate 21b gerade ist, weiß ich auch nicht. Kommen Sie, gehen wir mal suchen …“
Wir haben dann leider doch etwas zu lange gesucht und der Checkin war schon geschlossen. Wir konnten unsere Maschine noch off-block gehen sehen.
Voller Panik sind wir zum Aer Lingus Infoschalter gesprintet. Dort teilte man uns mit, daß es keine weiteren Flüge an diesem Tag nach County Kerry gäbe, aber noch einen zum Shannon Airport, der nur 100km nördlich läge. Wenn uns das Recht wäre, würde man uns darauf umbuchen.
Allerdings war unser Gepäck schon im Flieger unterwegs zum Kerry Airport. Auf Nachfrage sagte mir die ebenfalls ausgesprochen freundliche Mitarbeiterin mit, wir mögen uns in Shannon an den Aer Lingus Schalter wenden, man würde sich kümmer.
Kümmern … soso, was das wohl heißen sollte. Und überhaupt: wie sollten wir von Shannon zum Kerry Airport kommen? Zum Glück bin ich ein wenig verpeilt und hatte aus „Versehen“ den Leihwagen bei Europcar in Shannon bestellt. Es hätte also eigentlich nicht besser laufen können*. :)
In Shannon angekommen, bin ich als erstes zum Baggage Claim von Aer Lingus gesprintet (nun gut, so schnell wie jemand wie ich sprinten kann …). Dort teilte man uns mit, daß die Koffer „da“ seien. Wie … „da“? Na in Kerry. Am Flughafen, oder? Nein, im Ferienhaus.
Das muß man sich jetzt mal auf der Zunge zergehen lassen: wir haben den Flieger verpaßt, nicht aus eigener Schuld, aber gewiß auch nicht aus Schuld der Fluggesellschaft. Und Aer Lingus hat unsere Koffer angenommen, in ein Taxi gestellt und zum Ferienhaus fahren lassen. Dort hat die Vermieterin die Koffer den Berg hinauf zum Ferienhaus geschafft und in den Flur gestellt. <3 Die Adresse wußte Aer Lingus übrigens durch die Buchung des Reisebüros. Wir hatten unvergleichlich schöne Tage. steckten mehrfach in Schafherden fest. Wurden im Dorfpub ausgelacht** und sind den Ring of Kerry lang gefahren. Und irgendwann fahren wir wieder einmal nach Irland. In das Land von Flann O’Brien. Nur dort gibt es eine Insel, die Swim-Two-Birds heißt. Und wer weiß, vielleicht sehen wir einen kauzigen Rauschebart um die Ecke in einen Pub gehen.

*) Als wir den Wagen abgeholt haben, reichte man mir die Schlüssel mit den Worten: „Good luck, you’re the first driver!“. Es handelte sich um einen moosgrünen (was sonst in Irland?) Ford Ka. Wir fuhren vom PArkplatz auf den Zubringer zur Schnellstraße und auf den 500m standen mindestens 2 riesige Schilder mit deutscher (!) Beschriftung: „BITTE LINKS FAHREN!“ Die scheinen keine guten Erfahrungen mit deutschen Fahrern gemacht zu haben … :)

**) Wir kommen in den Pub und setzen uns. Ich gehe zur zur Theke. Alle dort reden dieses wunderbare irische Englisch. Ich bestelle. Stille. Ein Tourist \o/ Ab diesem Zeitpunkt redeten alle einige Minuten lang reinstes Gälisch. Als man mein Gesicht einen ausreichend belämmerten Ausdruck hatte, lachten wir alle herzlich und alles war wieder gut :)

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