Blogparade: Kultur ist für mich …

… ja was eigentlich? Eine spannende Frage, die Tanja Praske da in ihrem Blog stellt.

Kultur ist ja eng verwoben mit dem Begriff der Kunst. Irgendwie. Und bei Kunst gibt es schon die verschwurbelsten akademischen Definitionsversuche. Einer ist zum Beispiel:

Etwas ist dann Kunst, wenn es keinem nützlichen Zweck oder Ziel dienst, außer sich selbst zu genügen.

Ich glaube, mit akademischen Ansätzen komme ich hier nicht weiter. Das war auch im engeren Sinne nicht die Frage.

Es gibt unendlich viele Erscheinungsformen von Kultur. Da ist alles, was im direkten Augenschein schon mal Kunst ist, also Musik (womit man meist die sogenannte E-Musik meint, dazu gleich mehr), bildende Künste, Schauspielerei, Literatur etc.173H
Ich finde, dazu gehören aber auch die sozusagen Begleitumstände menschlicher Existenz. Also sozusagen die „Artefakte“ menschlicher Tätigkeit, wie Design, Architektur und für mich persönlich besonders wichtig: Mode.

Es gibt eine schöne Stelle in „Der Teufel trägt Prada“, wo Miranda Priestly, die Chefredakteurin der Zeitschrift „Runway“ der jungen Journalistin Andy Sachs gehörig die Meinung geigt, als diese sich über die Belanglosigkeit von Mode äußert. Sie sagt, daß nichts, was irgend ein Mensch an Kleidung trägt, nicht designt ist. Selbst beim billigsten Supermarkt-Pullover hat sich irgendwann irgendjemand hingesetzt und überlegt, welche Farbe und welches Aussehen er haben soll. Ingrid Loschek verweist in „When Clothes Become Fashion“ darauf, daß selbst die Verweigerung von Mode ein Modestatement ist.

Um wieder ein bisschen allgemeiner zu werden: Kultur ist eine Ausdrucksmöglichkeit von Menschen. Zum Beispiel indem man Mode trägt. Das ist oft eine bewußte Äußerung, geschieht manchmal aber auch en passant. So wie bei vielen Formen von Kultur. Das macht man sich oft nicht bewußt, wenn man nur an die bewußt konsumierten Formen der „Hochkultur“ denkt.

Apropos Hochkultur: ich hatte ja versprochen, noch einmal auf die Dichotomie des Begriffs Musik einzugehen. Da gibt es ein wunderbares Buch von Diedrich Diedrichsen namens „Popmusik“, in dem er darlegt, warum er Popmusik für eine ganz eigene Form von Kunst hält. Nämlich sozusagen für ein Package aus Musik, Persönlichkeitskult und Begleitkultur wie Mode, Lebensphilosophie (siehe Beatles) etc. Ich würde ihm zustimmen und damit hat Popmusik auch einen Platz auf meinem Kulturregal verdient :)

Es gibt aber noch einen ganz anderen Kulturbegriff: nämlich in der Biologie, im Gartenbau und der Medizin gibt es Pflanzen- und Zellkulturen. Da ist eine Kultur etwas, das geführt und geleitet wachsen soll. Irgendwie schließt das für mich an den „kulturellen Kulturbegriff“ an: wenn der Mensch Dinge gestaltet und erzeugt, entsteht Kultur. Damit ist Kultur eigentlich eine der wichtigsten Lebensäußerungen. Ich glaube, damuß ich selbst noch mal drüber nachdenken. Vielleicht hat jemand von euch noch Anregungen für mich oder andere Richtungen, in die ich schauen kann …

3 Kommentare

  1. Lieber Volker,

    vielen Dank für deinen Beitrag zu #KultDef! Genau das hatte ich mit der Blogparade beabsichtigt: verschiedene Perspektiven auf den Kulturbegriff erhoffte ich mir und genau das trat ein, wie dein Post bezeugt!

    Mode und Kultur gab es noch nicht, finde ich sehr gut und ja, selbst eine Verweigerung der Mode ist eine ganz persönliche Mode und Kulturerscheinung. Gerade der Vergleich zur Popmusik gefällt mir, denn da steckt tatsächlich mehr dahinter als „nur“ die Musik.

    Yep, der Kulturbegriff ist nicht so einfach zu fassen, weder wissenschaftlich noch aus einer persönlichen Warte heraus erklärbar. Genau deshalb gefällt mir die Blogparade sehr – die Vielseitigkeit des Kulturbegriffs wird betont.

    Danke dir!

    Herzlich,
    Tanja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.