To müff or not to müff

Heute beschäftige ich mich mit einem Problem, oder genauer gesagt mit zweien: In beiden geht es um Geruch. Nicht wegen mangelnder Körperpflege, obwohl das sicher auch ein Thema ist. Nein, es geht um Wäsche und um Parfum.

Fangen wir mit der Wäsche an:

Kennt ihr das? Man steht an einer Supermarktkasse und hinter euch stellt sich jemand an, dessen Kleidung merkwürdig säuerlich riecht. Ich dachte immer, das liegt daran, daß die Sachen schlecht getrocknet worden sind, weil der Effekt bei Wäsche aus dem Trockner deutlich geringer ausfällt. Woher ich das weiß? Weil das bei uns auch manchmal vorkommt. Ich kenne aber auch Menschen, deren T-Shirts praktisch immer so riechen.

Eine Webseite von Henkel verweist darauf, daß man etwas mehr Waschmittel nehmen soll, weil nicht alle durch den Körper verursachten Verunreinigungen entfernt wurden. Das macht Sinn, weil mich als Chemiker der Geruch sehr an Buttersäure erinnert. Verbindungen der Buttersäure finden sich nämlich auch in menschlichem Schweiß. Und Chemiker wissen, wie lange sich höhere Carbonsäuren (von denen Buttersäure eine ist, genauer eine C4-Carbonsäure) in Kleidung halten können. Ich erinnere mich da an einen Fall von schwerer Verstinkung mit Carponsäure (C6-Carbonsäure) … Carponsäure hat ihren Namen von capra, lateinisch für Ziege hust

Der andere Fall von Geruchsbelästigung bezieht sich auf unangenehme Parfums. Man geht durch einen Supermarkt und läuft durch eine Fahne unglaublich beißenden Parfumgeruchs. Natürlich riechen Parfums für jeden von uns anders, aber manche stoßen halt doch in breiteren Schichten der Bevölkerung auf negatives Feedback als andere. Man sagte mir mal, daß Cacharelparfums (namentlich Lou Lou und Anais Anais) in den 90er Jahren in manchen Werbeagenturen den Mitarbeiterinnen per Arbeitsvertrag untersagt waren. Ich kann das gut verstehen, weil meine Schwiegermutter eine Zeit lang eine (für mich fast) tödliche Vorliebe für Cacharelparfums hatte.

Manche Leute nehmen diese Gerüche (und speziell den komischen Wäschegeruch) kaum wahr. Bei mir ist das anders, ich rieche das ziemlich extrem und mir wird übel davon. Was mich jetzt aber beschäftigt: Wie sagt man das den Leuten? Sagt man das überhaupt? Natürlich laufe ich nicht hinter jedem Fremden auf der Straße oder im Supermarkt her, der komisch riecht und reibe ihm/ihr das unter die Nase. Aber wenn man ab und zu mit jemandem zu tun hat und der/die riecht streng, bin ich trotzdem versucht, etwas zu sagen. Mache ich dann aber doch nicht, weil ich dafür zu höflich bin. Wie macht ihr das? Ein Patentrezept habt ihr wahrscheinlich auch nicht, oder?

Ausbreitung von Kultur

Ein kurzer Abriß des Modells der Ausbreitung von kulturellen Eigenschaften von R. Axelrod

Einleitung

Dieser Text bildet die Basis für einen folgenden Blogpost, in dem das kombinatorische Prinzip des Modells von Axelrod auf Modeerscheinungen angewandt wird.

Robert Axelrod hält eine Professur an der School of Public Policy der University of Michigan und beschäftigt sich mit Fragestellungen der soziologischen Dynamik in Gruppen. Ein Fokus seiner Arbeiten in den 90er Jahren geht von einer Reihe interessanter Fragen aus, die er in einem oft referenzierten Paper veröffentlicht hat:

  • Die Kommunikation von Menschen führt im Allgemeinen zu einer Angleichung von kulturellen Eigenschaften. Warum sind dann aber nach einiger (langer?) Zeit nicht alle Menschen der gleichen Meinung?
  • Wie kommt es zur Ausbreitung von kulturellen Eigenschaften?
  • Warum entstehen im Gegenteil u.U. sogar völlig unterschiedliche kulturelle Ausprägungen?

“Kulturelle Eigenschaften” (cultural features) definiert Axelrod hier sehr breit als alle Eigenschaften, die durch sozialen Einfluß (social influence) von außen beeinflußbar sind. Das können, politische Ansichten, Moden oder die Art sein, etwas bestimmtes zu tun.

Die klassische Soziologie kennt eine Reihe von Begründungen, wie es trotz allgemeiner Homogenisierungsmechanismen zu Unterschieden kommen kann. Dazu gehören:

  • Willentliche soziale Abgrenzung
  • Modeerscheinungen bzw. zeitlich begrenzte Trends
  • Bevorzugung extremer Ansichten
  • Drift aufgrund zufälliger Prozesse (z.B. Änderungen in einer Sprache)
  • Geographische Isolation
  • Der Wunsch nach Spezialisierung
  • Wechselnde Umgebungsbedingungen oder technologischer Fortschritt

Axelrods Modell

Eine Grundannahme von Axelrod ist, daß der Transfer von Ideen oder Ansichten durch Kommunikation einzelner Individuen geschieht. Nicht ausschließlich, aber auch. Daneben gibt es die Verbreitung von Ideen durch zentrale Organisationen. Kommunikation tritt dann am effektivsten auf, wenn sich zwei Individuen schon ein wenig ähneln. Sprich, je mehr Gemeinsamkeiten sie eh schon haben, um so wahrscheinlicher ist es, daß sie miteinander kommunizieren: “Similarities lead to interaction, interaction leads to still more similarity

Jetzt stellt sich die Frage, ob man alleine mit einem System miteinander kommunizierender Individuen nicht nur Einebnungs- und Angleichungsprozesse, sondern auch Divergenzen abbilden kann, ohne spezielle Mechanismen der Abspaltung mit einzubeziehen, wie sie oben erwähnt wurden.

Axelrod hat hierzu ein einfaches programmatisches Modell aufgesteht, bestehend aus einer Matrix von einfachen Automaten oder State Machines, die er agents nennt. Da Agenten in der IT aber generell komplexere selbstständige Systeme bezeichnen, verzichte ich hier auf diesen Namen. Diese Automaten sind auf einem kartesischen Netz, sagen wir von 10×10 Knoten angeordnet.

Jeder Knoten hat einen Zustand, der durch sagen wir 5 allgemeine kulturelle Features definiert wird. Jedes Feature kann z.B. 10 verschiedene Werte oder Merkmale oder Ausprägungen von 0-9 annehmen. Damit kann man den Zustand eines Knotens durch ein Fünfertupel wie [3,5,7,3,0] beschreiben. Die Knoten wechseln den Zustand einzelner Features durch Einfluß eines Nachbarn, indem sie dessen Wert einfach annehmen. Sie besitzen also keinen sonderlich intelligenten Wertealgorithmus.

Der Algorithmus der zeitlichen Simulation läuft nun wie folgt:

  1. Man pickt sich per Zufallsgenerator einen Knoten heraus.
  2. Dann nimmt man als “Einflußnehmer” einen zufälligen Nachbarn oben, unten, links oder rechts dazu.
  3. Die Wahrscheinlichkeit, daß diese beiden Knoten interagieren hängt dann davon ab, wie ähnlich sich ihre Werte schon sind.
  4. Gibt es eine Gleichheit in mindestens einem Wert eines Features bestimmt man per Zufall eines der unterschiedlichen Features und überschreibt den Wert des ausgewählten Knotens darin mit dem Wert seines Nachbarn. Damit ist es zu einer Angleichung in einer Eigenschaft gekommen, auf der Basis der sonstigen Eigenschaften.

Diesen Rechenschritt wiederholt man nun oft. Sehr oft. Viele tausend bis zehntausend Mal. Für das erwähnte 10×10 Raster kommt man auf etwa 81.000 Iterationen. Danach ist der Zustand meist sehr stabil. Mathematisch gehört diese Simulation zu den sogenannten Markov-Chains.

Was man dann beobachten kann, ist, daß sich auf dem Gitter sogenannte kulturelle Regionen heraus bilden, deren Eigenschaften völlig gleich sind. Nun kann man mit den Parametern dieser Simulation spielen, als da wären:

  • Größe des Gitters oder Areals
  • Anzahl kultureller Eigenschaften
  • Anzahl möglicher Werte, die so eine Eigenschaft annehmen kann

Dann mißt man, erstens, wie lange es dauert, bis sich ein stabiler Zustand einstellt und zweitens, wie viele kulturelle Regionen sich dabei gebildet haben. Stabilität entsteht, weil in einer kulturellen Region alle Mitglieder exakt die gleichen Werte haben, hier findet also keine Änderung mehr statt. Und an den Außengrenzen der Region gibt es nur noch Elemente, die sich in allen Eigenschaften unterscheiden und deswegen nicht mit ihren Nachbarn kommunizieren.

Ergebnisse der Simulationen

Es zeigt sich, daß die Ergebnisse statistisch stabil sind und im Überblick wie folgt aussehen:

  • Erhöht man die Anzahl kultureller Eigenschaften, entstehen langsam weniger homogene Regionen. Der Grund ist, daß mit der Anzahl Eigenschaften die Wahrscheinlichkeit, daß sich zwei benachbarte Elemente in irgendeinem Punkt davon ähneln, leicht steigt.
  • Erhöht man dagegen die Auswahl möglicher Werte für jede kulturelle Eigenschaft, so steigt die Anzahl Regionen sehr schnell an. Die Begründung ist, daß mehr Werte eine geringere Wahrscheinlichkeit darstellen, daß sich zwei Nachbarn so ähneln, daß sie kommunizieren.

Zusätzlich kann man noch die Reichweite der Interaktion zweier Knoten erweitern, indem diese z.B. auch mit ihren diagonalen Nachbarn kommunizieren können. Erwartungsgemäß steigt damit die Geschwindigkeit der Homogenisierung und es sinkt die Anzahl kulturell unterschiedlicher Regionen.

Wenn man nun noch die Größe des Netzwerks variiert, z.B. zwischen 2×2 und 100×100 Knoten, so findet man anfangs einen starken Anstieg der Anzahl homogener Regionen bis zu einer Gittergröße von 12×12. Danach sinkt die Anzahl Regionen langsam wieder asymptotisch gegen etwa 2.

Daß sehr kleine Netze zu max. 2 Regionen neigen ist, relativ einfach erklärbar, weil einfach nicht mehr Platz für Regionen vorhanden ist. Steigender Platz führ bei 12×12 Gittern zu bis zu durchschnittlich 23 (!) stabilen homogenen Regionen. Daß es danach zu einem Abfall kommt, läßt sich nur durch Beobachtung der historischen Entwicklung solcher Netze erklären.

Im Laufe der Entwicklung der Netzwerke kann man beobachten, daß große Regionen neben kleinen Regionen häufiger überleben als umgekehrt. Man könnte sagen, das große Gebiet “frißt” das kleine auf. Große Netze erlauben große Gebiete, damit kommt es häufiger zur Auslöschung kleiner kultureller Regionen.

Interessant in diesem Zusammenhang sind auch “kulturelle Zonen”. Diese definiert Axelrod als Gebiete kompatibler kultureller, also ähnlicher, Features. Solche stabilen komatiblen Zonen bilden sich im Laufe der Simulation sehr schnell aus, ganz im Gegensatz zu den homogenen Regionen. Im Endeffekt entsteht fast immer aus einer Ähnlichkeitszone ein homogenes Gebiet. Daher kann man durch Auszählen der Zonen sehr viel schneller zu einer Aussage über die im Endeffekt zu findenden kulturellen Regionen kommen.

Zusammenfassung

Das Modell läßt sich (darauf ist Axelrod anscheinend sehr stolz) in einem Satz zuammen fassen:

Mit einer Wahrscheinlichkeit, die ihrer kulturellen Ähnlichkeit entspricht, übernehmen zufällig gewählte Knoten exakt ein kulturelles Feature von einem ihrer zufällig gewählten Nachbarn.

Die Ergebnisse lassen sich in zwei intuitiv erwartete und zwei eher überraschende Resultate gliedern. Die erwarteten sind:

  • Die Anzahl Regionen nimmt zu mit der Zunahme der möglichen Werte für kulturelle Features.
  • Sie nimmt ab mit der Reichweite der Interaktion.

Die überraschenden Ergebnisse sind:

  • Die Anzahl Regionen nimmt ab mit der Zunahme der kulturellen Eigenschaften oder Features.
  • Die Anzahl der Regionen nimmt wieder ab mit der zunehmenden Größe der Netzwerkareale.

Durch die Übernahme von Features eines Nachbarn kommt es natürlich möglicherweise zu einer Abnahme der Ähnlichkeit zu anderen Nachbarn. Treffen solche Prozesse in einem bestimmten Gebiet häufiger aufeinander kommt es tatsächlich ohne äußeres Eingreifen zu einer Polarisation mit völlig unterschiedlichen Regionen.

Zusätzlich macht das Modell ja keinerlei Annahmen über die Kopplung zweier kultureller Features. Es reicht also, wenn zwei ansonsten unterschiedliche Menschen gerne in eine Kneipe gehen, daß es zur Kommunikation kommt. Sollte dann der eine den anderen zu einer rechtsextremen Meinung überreden, bedeutet das ja keinesfalls, daß alle Kneipenbesucher ins rechte Spektrum gehören. Es hat schlicht nichts miteinander zu tun.

Mode für Nerds

Nach längerer Pause melde ich mich zurück mit einer kleinen Blogreihe. Ich habe festgestellt, daß es einen ganzen Haufen wissenschaftlicher Publikationen zum Thema Mode gibt. Diese sind meist in englischer Sprache verfasst und tief in den Jargon der jeweiligen Wissenschaft eingebettet. Manchmal dient die Verwendung von Fachtermini auch der (vermeintlichen) Stärkung der wissenschaftlichen Respektabilität. Steht doch Mode an sich oft nicht in dem Ruf, ein besonderes ernstes wissenschaftliches Thema zu sein.

Viele dieser Charakteristika machen diese Literatur leider schwer verdaulich. Dem möchte ich entgegen wirken und euch mit Links und Quellenangaben versehene übersichtliche Zusammenfassungen zu liefern, die entweder für sich alleine stehen können, wenn man nur kurz rein schnuppern möchte, um was es sich handelt, oder die als Sprungbrett für eine tiefer gehende Beschäftigung mit einem Thema dienen können.

Ihr dürft euch auf spannende und manchmal skurrile Beiträge aus einer ganzen Reihe von Wissenschaften freuen, z. B.:
• Soziologie (hier findet sich ein reiches Betätigungsfeld, Soziologen finden Mode spannend)
• Mathematik (zum Beispiel Kombinatorik)
• Informatik (Pattern Matching etc.)

Wie ihr seht, erwartet uns eine wilde Mischung und vielleicht verhilft euch und mir das eine oder andere Posting zu einer völlig neuen Sicht auf das vermeintlich so oberflächliche Thema Mode. Zum Schluß noch die Bitte, falls jemand von euch ein Fundstück für diese Reihe hat, dann schreibt mir doch bitte. Jetzt bleibt mir nichts, als euch viel Spaß beim Lesen zu wünschen.

Musik zum Wochenende – :wumpscut:, Thorns

Ich habe ein seltsames Faible für Coverversionen und Bearbeitungen. Das geht soweit, daß ich z.B. gut 50 Versionen von Greensleeves besitze. Heute möchte ich euch ein Stück von der Electro-Industrial-Band :wumpscut: vorstellen. Nämlich “Thorns” von “Bunkertor 7“. Thorns war das erste Stück, daß ich je von :wumpscut: gehört habe und es ist bis heute das einzige, daß mir gefällt. Dafür ist dieses eine aber wirklich außergewöhnlich. Und :wumpscut: hat 2 Versionen davon gemacht: eine normale und eine “Distant Vocals Version”.

Beide Versionen beginnen mit einer Art Lautensolo und haben im Schluß ein Sample aus dem Film Highlander mit Sean Connery.

Ich hoffe, das ist jetzt nicht zu gruftig für euch ;)

Musik zum Wochenende – Calvin Russel, Crossroads

Neben den schönen Bäumen würde ich gern noch eine kleine eher unregelmäßige Posting-Reihe eröffnen: Musiktips zum Wochenende. Mal altbekannte Sachen, mal Ungewöhnliches. OK, mehr ungewöhnliche Dinge. Den Anfang macht ein Ausschnitt aus meiner allerliebsten Musiksendung, dem wohl inzwischen leider eingestellten One Shot Not auf arte mit Manu Katché.

Auf der anderen Seite ist der Musiktip für jemanden, der mich vielleicht ein bisschen kennt, eher widersprüchlich. Ich mag nämlich keine Singer-Songwriter und ganz besonders mag ich keine Country- oder Western-Musik, und Calvin Russel vereint in “Crossroads” von beidem ein bisschen. In der Liveperformance in One Shot Not spielt nämlich ein Musiker einer anderen Band eine wohl elektrifizierte Mandoline (wenn es sich um ein anderes Instrument handelt, sagt mir bitte Bescheid!). In der Kombination sehr ungewöhnlich, aber genau das richtige für einen ruhigen Wochenendabend mit einem Glas Rotwein … auf der Terrasse …

Rezension: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Heute möchte ich euch zum Tag des Buches einen Roman vorstellen, den ich regelrecht verschlungen habe: “Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra”. Geschrieben hat ihn Robin Sloan und die deutsche Ausgabe (die ich gelesen habe) ist bei Blessing erschienen. Er handelt von einem jungen Mann namens Clay Jannon, der als Grafikdesigner keinen Job bekommt und deswegen eine Art Nebenjob sucht. So stößt er auf die seltsame Stellenanzeige von Ajax Penumbra, der einen Verkäufer für seinen Buchladen sucht. Und zwar für die Nachtschicht. Der kleine eigenartige Buchladen hat nämlich rund um die Uhr geöffnet. Daher der Name des amerikanischen Orginals “Mr. Penumbra’s 24-Hour Bookstore”.

Robin Sloan, Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Robin Sloan, Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Der Laden ist quasi zweigeteilt. Im vorderen Teil verkauft Penumbra “normale” Literatur, während der hintere Teil fast drei Etagen hohe Regale mit gebunden großformatigen Folianten enthält. Diese werden nicht von normalen Kunden gekauft, sondern von den etwas schrägen Mitgliedern eines eigenartigen Buchclubs ausgeliehen. Und die Verkäufer haben Buch darüber zu führen, wer wann welches Buch ausgeliehen hat, wobei sie die Kunden genau beobachten und alle Details in einem Logbuch  festhalten sollen. Clay ist fasziniert und versucht mit Hilfe seiner Freunde, einer Programmiererin von Google und einem Firmengründer, der die weltbeste Software für 3D-animierte weibliche Brüste erfunden hat, hinter das Geheimnis des merkwürdigen Buchclubs und seiner (offensichtlich verschlüsselten) Bücher zu kommen. Das Buch ist ausgesprochen gut geschrieben, die Handlung ist für jemanden wie mich perfekt, weil sie Internettechniken, einen Einblick in den Google Campus, ein bisschen Fantasyliteratur, alte Bücher und Typologie gekonnt miteinander verquickt. Die Publikation war in den USA mit einigem PR Getöse von Seiten von Google berunden:

Das Ende des Buches (das ich euch natürlich nicht verraten werde) ist fulminant und überraschend. Man lernt dabei sogar etwas über die Anfangszeit des Buchdrucks (OK, ich wußte das meiste davon schon). Ich kann euch das Buch nur wärmstens ans Herz legen. Wer vorweg schnuppern will, ob ihm der Schreibstil von Robin Sloan bzw. des Übersetzers gefällt, kann sich auch eine Kurzgeschichte namens “Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra” ansehen, die erklärt, wie Mr. Penumbra 1969 zum ersten Mal Kontakt zu der seltsamen Buchhandlung bekam, die er später dann leiten sollte. Die Shortstory gibt es als eBook bei

Viel Spaß zum Lesen!

Schöne alte Bäume – Stadtpark Aachen

Ich liebe alte, große Bäume, deswegen wird es jetzt ab und zu ein Posting mit Bildern von Bäumen geben :)
Den Anfang macht der Aachener Stadtpark an der Seite des Ungarnplatzes, wo es übrigens auch ein nettes kleines Bistro / Cafe in einem Kiosk gibt, das La Cabane.
Doch jetzt zum Baumriesen Nummer eins:

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Und einen zweiten habe ich auch noch gefunden:

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Wie steht’s mit euch? Mögt ihr Bäume? :)

Das pure Gift …

Es ist wieder so weit: überall wird entgiftet, oder neudeutsch gedetoxt, daß die Schwarte kracht. Im Tagesanzeiger gab es letztes Jahr eine sehr schöne Kolumne von Michèle Binswanger zu diesem Thema, die eigentlich schon sehr schön zusammen faßt, was ich davon halte. Einen weiteren interessanten Artikel hat fast zeitgleich Christine Pander für den Spiegel geschrieben.

Ich gebe es zu: ich bin Naturwissenschaftler. Wer mir gegenüber (oder auch allgemein öffentlich) eine Theorie propagiert, muß die mit Tatsachen belegen können. Und die Homöopathieaussage “Wer heilt hat Recht” ist kein faktischer Beweis. Weil es nämlich bis heute keine naturwissenschaftlich begleitete Studie gibt, die zweifelsfrei nachgewiesen hat, daß Homöopathie in irgendeiner Form funktioniert.

Das ist aber nicht mein eigentliches Thema. Seit einigen Jahren nimmt die Beschäftigung mit Ernährungstheorien (Paleo, Vegan etc.) immer breiteren Raum in der Öffentlichkeit ein. Veganismus steht da aufgrund seiner pseudomoralischen Begründung etwas außen vor, aber eines der aktuellsten und wirklich unsinnigsten Themen ist die Detox-Kur.

Hier geht man davon aus, daß sich Giftstoffe (Welche denn? Wo kommen die her? Wo genau sind die? Und welcher Mechanismus entfernt sie wieder?) im Körper sammeln. A priori wird ohne Faktenbeweis angenommen, daß das Leben, wie man es bisher geführt hat, den Körper nit Giften belastet hat. Nachweisbar sind diese Gifte natürlich nicht. Da wird dann die diffuse Gemengelage eines “es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die kann man (noch) nicht messen” bemüht. Wer sich mal mit Homöopathie beschäftigt hat, dem wird diese Nicht-Begründung schon bekannt vorkommen.

Da sind also nicht bestimmbare Schadstoffe im Körper. Und die sollen nun durch Zufuhr spezieller Getränke und Nahrungsmittel bzw. diätetisches Weglassen ebensolcher aus dem Körper entfernt werden. Kurze Zwischenfrage: wenn nicht genau bekannt ist, um welche Giftstoffe es sich konkret handelt, wie kann man dann ein “Gegenmittel” finden?

Wie der ernährungsphysiologisch ungebildete Naturwissenschftler schon vermutet hat, sagen auch die Experten, daß Detox-Produkte komplett wirklungslos sind. Was bleibt, ist das warme Gefühl im Bauch, “etwas für sich getan zu haben”. Das möchte ich auch niemandem nehmen. Aber versucht nicht, eine objektive Wirkung zu konstatieren, wo medizinisch lediglich der Placeboeffekt wirkt. Daß eine Fokussierung auf sich selbst einem Menschen helfen kann steht außer Frage. Aber mit den pseudowissenschaftlichen Ersatzreligionstheorien schadet man dem eigentlichen Anliegen aller dieser Bemühungen: dem Menschen zu helfen, egal auf welche Art. Und im Grunde wissen wir ja seit Zohan: das einzige, was immer hilft ist Humus!

Rodon

Kennt ihr das? Rezepte bzw. Gerichte, die nach Kindheit schmecken oder riechen? Dieses Rodonrezept ist Teil meiner – meist glücklichen – Kindheit.

Nach eigener Aussage kann meine Mutter praktisch nicht backen. Das mag sein, kann ich aber kaum beurteilen, weil sie praktisch nie gebacken hat. Mit Ausnahme dieses Rezeptes für einen Rodon bzw. Gugelhupf. Und es gibt Schauergeschichten über zusammen gefallene Hefekuchen und Soufflés. In Gegensatz dazu gehört dieser Rodon zu den einfachsten Rezepten, die ich kenne (tatsächlich ist er das einzige Backrezept, daß ich auswendig kann) und er gelingt immer.

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Und immer, wenn ich diesen Kuchen backe muß ich an meine Kindheit denken. Ich mag ihn eigentlich nur am ersten Tag, wenn er innen saftig, aber außen noch knusprig ist. Aber er schmeckt auch nach Tagen noch, wenn er denn so lange überlebt …

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Aber nun zum Rezept. Die Zutaten:

  • 300 Gramm Mehl
  • 300 Gramm Zucker
  • 300 Gramm Eier (das sind etwa 5 Stück)
  • 300 Gramm Butter oder Margarine
  • 1/2 Prise Salz
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 1 Päckchen Backpulver
  • etwas abgeriebene Zitrone oder 1 Päckchen Zitronenschale

Zubereitung:

Alle Zutaten zu einem cremigen glatten Teig verrühren. Nicht naschen! Eine Gugelhupfform ganz dünn ausbuttern (zu dick ausbuttern führt zu feuchten Stellen auf der Außenseite des Kuchens) und mit Semmelbröseln aka Paniermehl ausstreuen. Das Paniermehl ist für die knusprige Kruste unbedingt notwendig. Dann den Teig gleichmäßig in der Form verteilen. Nicht naschen! Zum Schluß die Form für 40-50 Minuten in den auf 175°C vorgeheizten Backofen stellen. Nach dem Backen in der Form auskühlen lassen und nicht sofort stürzen, weil er im heißen Zustand noch sehr weich ist. Viel Spaß beim nachbacken.

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Das hab ich nicht getan, weil ich sowas nie tun würde

Das Zitat aus dem Titel dieses Postings ist die sogenannte “vollständige rheiniscehe Indiktion” nach Konrad Beikircher. Also ein in sich logischer Beweis oder Rückschluß, der aber nur im Gehirn des Rheinländers funktioniert.

Ich benutze das mal als Einleitung zu einem kurzen Ausflug in die Kognitionspsychologie. Mein heutiges Thema ist der sogenannte “Confirmation Bias” oder auch Bestätigungsfehler. Am Ende des Postings werde ich ein paar weiterführende Literaturquellen dazu angeben für Leute, die weiter lesen bzw. hören möchten.

Ich habe schon einiges zu Wahrnehmungs- oder Logikfehlern gelesen, einfach weil ich das Thema interessant finde. Und heute bin ich mal wieder selbst auf den Confirmation Bias rein gefallen. Und das kam so:

Die Frau schaut im Fernsehen “Volle Kanne” und berichtet mir anschließend, daß da eine Ernährungsberaterin zu Wort kam, die sich ausdrücklich gegen “Low Carb” Diäten ausgesprochen hat, weil man dabei an einem Vitamin B bzw. Balaststoffmangel leiden könne. Ich frohlockte und wußte: da sagt endlich mal jemand die Wahrheit! Das wird nun einige Leute, die mich vielleicht kenne, gar nicht überraschen, weil ich bin halt sowas von gar kein Freund von Diäten. Andererseits halte ich eigentlich jeden Ernährungsberater für einen Scharlatan, da sie ähnlich wie Homöopathen, eigentlich keinerlei wissenschaftliche Beweise für ihre neuen Frühjahrsdiäten etc. haben.

Hier war aber jetzt plötzlich jemand aus dieser Zunft, der genau das behauptete, was ich gerne hören wollte. Doof nur, daß er einer Berufsgruppe angehörte, der ich als Naturwissenschaftler ausdrücklich mißtraute. Da seine/ihre Behauptung aber so wunderbar in meine subjektive Faktensammlung paßte (ich möchte jetzt gar nicht diskutieren, inwieweit ich “Recht” habe oder nicht), habe ich der These ohne Betrachtung der Person und Faktenlage geglaubt.

Das ist jetzt irgendwie traurig, andererseits beruhigt es mich, daß mir wenigstens auffällt, wenn ich in logische Gedankenfallen tappe. Vielleicht erkennt ja der eine oder die andere da seine eigenen Gedankengänge ein wenig drin wieder …

Und nun zu den versprochenen Links zu weiteren Informationen. Diese stützen sich im Wesentlichen auf 2 Personen: