Blogparade: Kultur ist für mich …

… ja was eigentlich? Eine spannende Frage, die Tanja Praske da in ihrem Blog stellt.

Kultur ist ja eng verwoben mit dem Begriff der Kunst. Irgendwie. Und bei Kunst gibt es schon die verschwurbelsten akademischen Definitionsversuche. Einer ist zum Beispiel:

Etwas ist dann Kunst, wenn es keinem nützlichen Zweck oder Ziel dienst, außer sich selbst zu genügen.

Ich glaube, mit akademischen Ansätzen komme ich hier nicht weiter. Das war auch im engeren Sinne nicht die Frage.

Es gibt unendlich viele Erscheinungsformen von Kultur. Da ist alles, was im direkten Augenschein schon mal Kunst ist, also Musik (womit man meist die sogenannte E-Musik meint, dazu gleich mehr), bildende Künste, Schauspielerei, Literatur etc.173H
Ich finde, dazu gehören aber auch die sozusagen Begleitumstände menschlicher Existenz. Also sozusagen die „Artefakte“ menschlicher Tätigkeit, wie Design, Architektur und für mich persönlich besonders wichtig: Mode.

Es gibt eine schöne Stelle in „Der Teufel trägt Prada“, wo Miranda Priestly, die Chefredakteurin der Zeitschrift „Runway“ der jungen Journalistin Andy Sachs gehörig die Meinung geigt, als diese sich über die Belanglosigkeit von Mode äußert. Sie sagt, daß nichts, was irgend ein Mensch an Kleidung trägt, nicht designt ist. Selbst beim billigsten Supermarkt-Pullover hat sich irgendwann irgendjemand hingesetzt und überlegt, welche Farbe und welches Aussehen er haben soll. Ingrid Loschek verweist in „When Clothes Become Fashion“ darauf, daß selbst die Verweigerung von Mode ein Modestatement ist.

Um wieder ein bisschen allgemeiner zu werden: Kultur ist eine Ausdrucksmöglichkeit von Menschen. Zum Beispiel indem man Mode trägt. Das ist oft eine bewußte Äußerung, geschieht manchmal aber auch en passant. So wie bei vielen Formen von Kultur. Das macht man sich oft nicht bewußt, wenn man nur an die bewußt konsumierten Formen der „Hochkultur“ denkt.

Apropos Hochkultur: ich hatte ja versprochen, noch einmal auf die Dichotomie des Begriffs Musik einzugehen. Da gibt es ein wunderbares Buch von Diedrich Diedrichsen namens „Popmusik“, in dem er darlegt, warum er Popmusik für eine ganz eigene Form von Kunst hält. Nämlich sozusagen für ein Package aus Musik, Persönlichkeitskult und Begleitkultur wie Mode, Lebensphilosophie (siehe Beatles) etc. Ich würde ihm zustimmen und damit hat Popmusik auch einen Platz auf meinem Kulturregal verdient :)

Es gibt aber noch einen ganz anderen Kulturbegriff: nämlich in der Biologie, im Gartenbau und der Medizin gibt es Pflanzen- und Zellkulturen. Da ist eine Kultur etwas, das geführt und geleitet wachsen soll. Irgendwie schließt das für mich an den „kulturellen Kulturbegriff“ an: wenn der Mensch Dinge gestaltet und erzeugt, entsteht Kultur. Damit ist Kultur eigentlich eine der wichtigsten Lebensäußerungen. Ich glaube, damuß ich selbst noch mal drüber nachdenken. Vielleicht hat jemand von euch noch Anregungen für mich oder andere Richtungen, in die ich schauen kann …

Liebe Stadt Aachen, wir müssen reden …

… und zwar über euer Ordnungsamt. Ich habe vor einiger Zeit in Burtscheid in der Dammstraße geparkt, weil ich mit einer Kollegin im Café M essen gegangen bin. Zu dem Zweck habe ich mein Auto in einer der Parktaschen dort abgestellt und ein Parkticket bezahlt und auf das Armaturenbrett gelegt. Als wir aus dem Café wieder heraus kamen, hatte ich einen der berühmten gelben Protokollzettel am Armaturenbrett.

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Einige Tage später kam dann eine schriftliche Verwarnung mit einem Überweisungsvordruck für 10€ Verwarnungsgeld. Ich habe daraufhin Einspruch erhoben, eine Fotokopie des Parkscheins beigelegt und hoffte auf eine Klärung der Sache. Heute kam dann das rechts stehende Schreiben von einem gewissen Herrn Ohnevorname Gorné, der laut Webseite der Stadt Aachen „Sachgebietsleiter ruhender Verkehr“ ist. Darin wird nicht etwa die Verwarnung zurück genommen und entschuldigt hat man sich schon gar nicht. Nein, im Gegenteil, man drücke ausnahmsweise mal ein Auge zu und belasse es bei einer gebührenfreien Verwarnung. Der Parkschein wäre zur Kontrollzeit nicht lesbar im Fahrzeug ausgelegt gewesen. Als Beweis legte man das links stehende Foto bei. Darauf sei eindeutig zu sehen, daß kein Parkschein zu sehen gewesen sei.

2015-05-29 13.32.15Lieber Herr Gorné, seien Sie doch mal ehrlich: auf diesem Foto könnte man nicht mal erkennen, wenn der Weihnachtsmann hinter dem Steuer gesessen hätte! Wenn Ihre „Kontrollfachkräfte“ sich nicht mal die Mühe machen, bis zur Windschutzscheibe an ein zu kontrollierendes Fahrzeug heran zu gehen, dann kann ich Ihnen da auch nicht helfen. Vielleicht sollte ich beim Fahrzeug bleiben, und Ihre Kontrolleuere bis an die Scheibe heran tragen. Aber das würde sicherlich als persönlicher Angriff gewertet werden. Das Anschreiben jedenfalls empfinde ich als ausgesprochen unverschämt. Und seien Sie versichert, ich werde auch weiterhin meine Parkscheine so wie bisher immer hinter die Windschutzscheibe legen. Im übrigen belasse ich es jetzt bei folgender gebührenfreier Aufklärung: Das OLG Köln urteilte 1992, daß man Parkscheine zwar nicht verstecken dürfe, daß sich der Kontroletti aber Mühe beim Suchen danach geben muß. Das OLG Naumburg urteilte auch, daß der Parkschein nicht auf der Gehwegseite liegen muß, sondern auch straßenseits liegen darf. Sogar auf der Hutablage. Gebührenfrei ist diese Auskunft, weil Sie als Sachgebietsleiter entweder sehr gut über die Rechtslage informiert sind oder aber vielleicht einen anderen Job brauchen.

Warum ich so ätzend reagiere? Weil der Vorgang von Seiten der Stadt Aachen ein Witz ist. Da kann ich nicht ernst bleiben…

Update: Ich habe eben mit einer sehr netten Dame von der Stadtverwaltung telefoniert. Wir waren uns einig darüber, daß ich ja im Prinzip erreicht habe, was ich wollte, nämlich keine Gebühr zu zahlen. Auch waren wir uns einig, daß die Herrschaften beim Ordnungsamt zum einen sehr häufig mit sehr echauffierten „Kunden“ zu tun haben und daß auch die Formulierungen in Schreiben des Ordnungsamtes gewissen rechtlichen Rahmenbedingungen unterliegen. Die Dame wies dann noch darauf hin, daß die Politesse Stein und Bein schwört, da habe kein Parkschein im Auto gelegen und daß das hier abgebildete Foto am Bildschirm klarer zu sehen sei. Der Herr Gorné (dessen Vornamen ich übrigens jetzt kenne ;) konnte dann nicht anders, als den Fall in diesem merkwürdigen Zwischenstatus zu belassen. Ich wies dann noch darauf hin, daß man den Parkschein aus der Position, in der das Foto gemacht wurde, tatsächlich nicht sehen kann. Das scheint der Geschichte selbst aber keine andere Perspektive zu geben. Fazit: alles verständlich, aber nur bedingt zufrieden stellend. Ich hab die Stadt Aachen aber trotzdem noch lieb :)

Ausflug nach Maastricht – Dominikanenkerk

Nachdem vor Kurzem Miss Bartoz eine Reise nach Maastricht unternommen hat, wollten meine Frau und ich da auch noch mal hin, zumal Maastricht ja nicht sehr weit von Aachen weg ist. Die Frau ist den Tips von Miss Bartoz folgend durch die Läden gezogen (ich hinterher, Tüten tragend … fragt nicht)  2015-05-28 15.40.19und ich habe mir die aus dem Consors TV Spot bekannte Buchhandlung De Dominicanen näher angesehen. Es handelt sich um die älteste Klosterkirche der Niederlande, die aber schon im Jahre 1796 säkularisiert wurde. Im Deckengewölbe kann man noch Fresken von 1619 bewundern. 2015-05-28 15.56.10 Nach einer wechselvollen Geschichte eröffnete in dem Gebäude im Dezember 2006 die Buchhandlung De Dominicanen. Die Fotos sind übrigens etwas verwackelt, weil ich sie mit dem Mobiltelefon aufgenommen habe. Als ich auf der 2 Etage der Empore stand, ist mir übrigens das Note 3 vom Balkon gefallen … und unten auf einem Bücherstapel gelandet. Ich hab dann über das Geländer geschaut und gerufen: „Das ist meins!“, worauf ein Kunden von unten meinte: „Ich komme aber jetzt rauf und bringe es Ihnen!“ #hihihi

Das Telefon hat nicht die geringste Schramme. Ich kann als für Handywurfversuche Buchhandlungen nur empfehlen! Ein Buch habe ich natürlich auch gekauft. Da mein Niederländisch aber eher … ähem … rudimentär ist, habe ich nach englischer Literatur gesucht und bin auch prompt auf ein Buch gestoßen, auf das ich schon länger scharf war: The Monocle Guide to Good Business.2015-05-28 20.55.15

Plus Size Fashion Blogs

Ich wurde auf Twitter gefragt, ob ich deutschsprachige Plus Size Fashion Blogs empfehlen könnte. Da fallen mir auf Anhieb ein paar ein und da das für einen Tweet zu viel Text ist und es vielleicht auch Leute interessiert, die mir nicht auf Twitter folgen (Warum eigentlich nicht? Nein, Scherz!), hier eine nicht wertende, nicht sortierte Liste:

Fräulein Flauschig

miss BARTOZ

Fashion Fee

In fat style

Lu zieht an

Ich kenne keine der Damen persönlich, habe mich aber per Twitter schon mit allen unterhalten.

Elektronenbücher und totes Holz

Im Discover Magazine macht Julie Sedivy die Feststellung, daß, obwohl Bibliotheken ihr neues Buch sehr häufig als eBook kaufen, Studenten nach Angabe ihres Verlages in über 90% der Fälle die gedruckte Version bevorzugen. Hier taucht eine Frage auf, die auch Ausgangspunkt meines Postings hier sein soll: warum schleppen Studenten lieber eine 4 Pfund schwere Papierausgabe mit sich herum, als die gewichtlose eBook-Version zu kaufen?

Vor der Entscheidung, ein Buch in der einen oder anderen Darreichungsform zu erwerben, stehen viele von uns täglich oder jedenfalls häufiger mal. Habt ihr mal bewußt reflektiert, in welchen Fällen ihr ein eBook und wann Papier kauft? Ich persönlich kaufe IT-Fachbücher fast ausschließlich als eBook, weil ich sie nie ganz lese, sondern eher als Nachschlagewerk nutze. Romane kaufe ich teils auf Papier und teilweise als eBook, je nachdem, wie gierig ich bin, sie sofort anlesen zu wollen. Und es gibt Buchsegmente, bei denen bin ich fast davon überzeugt, daß sie sich nie wirklich gut als eBook umsetzen lassen. Dazu gehören zum Beisspiel großformatige Kunstbücher. Dafür bieten Kunstbücher als eBook womöglich einen nicht unbeträchtlichen multimedialen Mehrwert. Kommt immer drauf an, worauf man als Leser aus ist.

Die Frage nach der Art des Lesemediums ist der nach der Technik des Schreibens (Handschrift oder Tippen?) nicht unähnlich. In beiden Diskussionen wird von der einen Seite mit dem Ausleuten einer angeblich überholten Technologie und von der anderen Seite mit kulturellen Status-Quo-Thesen argumentiert. Ich denke, beide Argumentationslinien sind für meinen Geschmack verfehlt. Zum Thema Schreiben folgt aber auch noch ein Posting.

Sedivy zitiert Studien, die belegen, daß Informationen, die wir auf Papier lesen, besser im Gedächtnis haften bleiben, als solche, die wir von Bildschirmen ablesen. Da Sedivy Psycholinguistin ist, wird ihre Argumentation, warum sie dieser Memorierungsstudien Ergebnisse auf einer rationalen Ebene verstörend findet, nicht verwundern. Sie hängt ihre Argumentation nämlich an der Metapher des „Informationen aufnehmen“, „verschlingen“ oder „verdauen“ auf. Es scheint also so, als würde das Lesen auf Papier zu einer besseren „Verdauung“ der Informationen führen. Naheliegende Erklärungsversuche sind:

  • Lesen am Bildschirm ermüdet.
  • Wir werden durch andere Dinge auf dem Bildschirm abgelenkt.

IIn beiden Fällen würden also wertvolle „Informationsvitamine“ nicht richtig aufgenommen. Es gibt übrigens auch Studien, die der Auffassung widersprechen, daß Informationen von Papier besser aufgenommen werden. Hierbei kristallisiert sich folgendes Bild heraus:

  • Nicht alle Probanden erfassen Papierinformationen besser als solche vom Bildschirm. Insbesondere, wenn ihre persönliche Präferenz das Lesen am Bildschirm oder eBook-Reader ist, schneiden anders ab.
  • Die meisten Lesestudien arbeiten mit relativ kleinen Textabschnitten. Es hat sich aber gezeigt, daß das, was der angloamerikanische Sprachraum als „deep reading“ bzw. „deep thinking“ bezeichnet, in der Art der Informationsaufnahme signifikant abweicht.

Das Bild der Aufnahme von Informationen wie Nahrung ist in den Augen von Sedivy aber eher falsch bzw. oberflächlich, da Kognitionsstudien belegen, daß es ein sehr breites Spektrum an Arten zu lesen gibt. Und dabei können sehr unterschiedliche Prozesse ablaufen. Wir können starke visuelle Bilder imaginieren, in einer Art innerer Diskussion Argumente gegen die Meinung des Autors sammeln, über die Motivation der Charaktere spekulieren, den Text mit persönlichen Situationen assoziieren oder die sensorischen oder ästhetischen Qualitäten des Textes wahrnehmen. Weil diese Dinge nicht immer alle gleichzeitig vorkommen, gibt es auch nicht eine Art zu lesen. Studien zeigen, daß ein und derselbe Text, je nach unserem Ziel oder Anspruch, sehr verschiedene Gedanken triggern kann.Manche kleinen oder unbewußten Signale können unsere Informationsverarbeitung entscheident verändern. Ein Beispiel: Probanden, die ganz kurz ein Apple Logo sahen, schneiden in Kreativitätstests besser ab als solche, die ein IBM Logo sahen, weil Apple es sehr erfolgreich geschafft hat, seine Marke stark mit kreativen Tätigkeiten zu verknüpfen. Auch das Lesen von Texten in einem schwer lesbaren Font förderte die Informationsaufnahme, da wir dann beim Lesen sozusagen die schweren kognitiven Geschütze auffahren.

All diese Studien legen den Verdacht nahe, daß die Umgebung des Lesens, das würdige schwere Buch zum Beispiel, im Gegensatz zu ein paar flüchtige Twitter-Nachrichten, einen EInfluß darauf hat, mit welcher kognitiven Einstellung wir an den Text heran gehen. Der oben schon angeführte Artikel von Wired zitiert auch Neuropsychologen, die darauf hinweisen, daß die taktile sensorische Erfahrung von Papier einen Einfluß auf die Informationsaufnahme hat, da ein fester Seitenrahmen einem Informationsschnipsel quasi einen Kontext gibt. Und die beiden Stapel der schon gelesenen oder noch zu lesenden Seiten gibt ein sehr eindeutiges Gefühl für unsere Position innerhalb eines größeren Textes. An diesen visuellen bzw. sensorischen Ankern müssen die Hersteller von eBook-Hard- und Software noch arbeiten.

Sedivy regt an, sich insbesondere Onlinepublisher Gedanken darüber machen sollten, wie sie durch die Ausstattung ihrer Texte den Leser zu einer kognitiven Haltung bewegen können, die dem Text gerecht wird. So wie man sagt, daß das Auge mit ißt (hier sind wir wieder bei der Nahrungsmetapher …), sollte man auch bei Texten und Webseiten auf die Präsentation achten, weil es eben nicht egal ist, wie wir Informationen aufnehmen.

Fashion Theory – Modetheorie

Mode. Das ist nicht nur Design, Farbe oder Outfit. Es gibt auch theoretische Aspekte der Mode:  Soziologie, Mathematik, Technik, Geschichte und Philosophie.
Soziologische Fragen wären zum Beispiel:

  • Warum trägt jemand bestimmte Kleidung?
  • Wie reagieren andere Menschen auf meine Kleidung?
  • Was möchte jemand mit seiner Kleidung ausdrücken?
  • Welche Funktion haben Modeblogger?
  • Warum sind manche Modeblogger berühmter als andere? Und wie sind sie es geworden?

Die Mathematik kann den Theoretikern dabei helfen, bestimmte Phänomene oder Mechanismen besser zu verstehen oder zu quantifizieren. Ein sehr berühmtes Beispiel dafür ist das Modell nach Axelrod. Damit kann z. B. die Ausbreitung bestimmter Modeerscheinungen in Gesellschaften simuliert werden. Simulationen allgemein dienen dazu, soziologische Modelle zu testen und zu quantifizieren. Dadurch kann man versuchen, die Mechanismen, die wirken, wenn Menschen unbewusst Dinge tun, ohne selbst davon zu wissen, zu verstehen.

Technische Aspekte können aus zu unterschiedlichen Gebieten wie Stoffproduktion, Verarbeitungstechniken oder neuerdings wearables bestehen.

Historische Themen umfassen Fragen nach der Herkunft und Verwendung von Kleidung in früheren Jahrhunderten. Während heute Kleidung oft dazu dient Zugehörigkeit oder Andersartigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen zu kennzeichnen,  diente Kleidung in früheren Jahrhunderten dazu, die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht zu repräsentieren. Auf die Aspekte, wie es zu einer Änderung dieses Kodex kam , kann ich in einem der folgenden Postings noch eingehen.

Die philosophischen Fragestellungen im Bereich der Mode sind oft die interessantesten, aber auch umstrittensten. In diesen Bereich gehören Fragen wie zum Beispiel:

  • Ist Mode Kunst oder Design?
  • Wo liegt überhaupt der Unterschied zwischen Kunst und Design?
  • Welche ethischen Werte verkörpern bestimmte Moderichtungen?

Auf einige dieser Fragen oder eigentlich fast alle würde ich in der kommenden Artikelserie gerne näher eingehen. Über die Reihenfolge bin ich mir noch nicht ganz klar, aber einige der Artikel existieren schon in ersten Versionen. Die Recherche ist aber ziemlich aufwendig.

Weihnachten ist nicht immer schön …

Deutschlands (wahrscheinlich) größte Franchisekette von Tierfuttergeschäften hat sich eine schöne Aktion ausgedacht: wer mit einen mit Namen versehenen Freßnapf vorbei bringt, kann ihn Nikolaus gefüllt mit Leckerchen für den Liebling wieder abholen. Soweit, so gut.

Heute war ich in einem der besagten Märkte und eine der Mitarbeiterinnen telefonierte mit dem Filialleiter. Es ging um die Frage eines jungen Mannes, ob die Aktion nur, wie auf dem Werbezettel ausgelobt, für Hunde und Katzen, oder auch für Vögel gilt. Nein, war die Auskunft der Mitarbeiterin, ihr Chef habe gesagt, nur Hunde und Katzen.

Traurig nahm der junge Mann den mitgebrachten Vogelnapf wieder an sich und ging. Diese Szene hat mich, ehrlich gesagt, ziemlich mitgenommen. Nicht, weil das Unternehmen die Aktion so limitiert, was ich ehrlich gesagt nicht verstehe, sondern aus einem anderen Grund.

In diesem Land gibt es Menschen, die ihrem Vogel keine Leckerli für ein paar Euro kaufen können. Ich kann euch gar nicht sagen, wie traurig mich so etwas macht. Ich hätte beinah angeboten, dem Vogel ein paar Leckerli auf meine Kosten zu spendieren. Aber leider war der junge Mann zu schnell weg und ehrlich gesagt wußte ich auch nicht, ob ihm das recht gewesen wäre. Jedenfalls werde ich noch ziemlich lange darüber nachdenken.

So wie über die gut gekleidete ältere Dame, die vor einiger Zeit im Kaisers Supermarkt an der Fleischtheke fragte, was die Putenbrust koste. Zweiteiliges Jackenkleid, Kitten Heels, Kettchen auf der adretten Bluse. 8 Euro pro Kilo war die Auskunft, also etwa 3 Euro für die 2 Putenschnitzel, die sie zu kaufen plante. Sie überlegte kurz und sagte dann: „Nein, diese Woche geht das nicht. Ich komme nächste Woche, wenn meine Rente da ist.“

Da läuft doch grundsätzlich was falsch. Für Rentner, Arbeitslose, Kranke und Migranten. Nicht für alle, aber für viele. Leider hab ich auch keine Patentlösung. Das macht meine Gedanken aber nicht weniger finster … jedenfalls wird das so nix mit einem ungetrübten Weihnachtsfest.

Wie ein alter Teppich Menschen öffnen kann

Bei uns im Ort gab es eine Buchhandlung (die es jetzt leider nicht mehr gibt). Den Laden gab es dort, seit ich denken kann. Der Inhaber war ein etwas merkwürdiger, sehr zurückhaltender Mensch. Vielleicht wirkte er aber auch nur auf mich etwas seltsam. Wie dem auch sei, irgendwann bestellte ich eine Gesamtausgabe der Gedichte von Else Lasker-Schüler. Hier ein kurzes Beispiel meines Lieblingsgedichts von Lasker-Schüler:

Deine Seele, die die meine liebet
Ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet

Strahl in Strahl, verliebte Farben,
Sterne, die sich himmellang umwarben.

Unsere Füsse ruhen auf der Kostbarkeit
Maschentausendabertausendweit.

Süsser Lamasohn auf Moschuspflanzentron
Wie lange küsst dein Mund den meinen wohl
Und Wang die Wange buntgeknüpfte Zeiten schon.

(Ein alter Tibetteppich)

Als ich das nicht allzu dicke Buch abholte, wurde ich von ihm selbst bedient. Er kam sofort ins Schwärmen über Lyrik. Er erzählte davon, daß er seit Teenagertagen Lyrik lesen würde und wie sehr er sich freue, daß jemand Gedichte als neues Thema für sich entdeckt hatte. Seit dieser Zeit finde ich ihn viel weniger seltsam und wir grüßen uns sehr freundlich, wenn wir uns sehen.

Fashion People: Valerie Steele

Einleitung

(See english version below)

Dr. Valerie Steele (Website, Blog, Wikipedia) kenne ich (nun ja, leider nicht persönlich) seit ihrem Buch „Fetish: Fashion, Sex and Power“, das ich als Student gelesen habe. Sie ist seit 2003 Kuratorin des Museums am Fashion Institute of Technology der State University of New York. Neulich habe ich entdeckt, daß sie neben den großartigen Ausstellungen ihres Museums und der Herausgabe (und Gründung) des wissenschaftlichen Journals „Fashion Theory“  auch viele Vorträge hält bzw. Interviews gibt. Und einiges davon findet sich auf YouTube. Und ich dachte, die meiner Meinung nach besten zeige ich euch hier kurz.

Introduction

I got to know (well, unfortunately not in person) Valerie Steele, PhD, (Website, Blog, Wikipedia) when I read her book „Fetish: Fashion, Sex and Power“ as a student. Since 2003 she is curator of the Museums at the Fashion Institute of Technology of the State University of New York. Recently I discovered, that in addition to the brilliant exhibitions of the museum and being (founding) editor-in-chief of „Fashion Theory“, a scientific journal, she also gives talks and interviews. You can find some of them on YouTube. And so I thought I’ll show the ones I like most.

Videos

Chic Chat Interview with The Outnet

 

Big Think Interview

 

Is fashion art? (Talk at mumok Museum of modern art, Vienna)

 

Sociology of Style Interview

 

On cultural influences in fashion design

 

The ‚F‘ word, a conversation about fashion (at Casa Italiana Zerilli-Marimò, New York University)

 

In conversation with Fran Lebowitz at the Queer History of Fashion Symposium

To müff or not to müff

Heute beschäftige ich mich mit einem Problem, oder genauer gesagt mit zweien: In beiden geht es um Geruch. Nicht wegen mangelnder Körperpflege, obwohl das sicher auch ein Thema ist. Nein, es geht um Wäsche und um Parfum.

Fangen wir mit der Wäsche an:

Kennt ihr das? Man steht an einer Supermarktkasse und hinter euch stellt sich jemand an, dessen Kleidung merkwürdig säuerlich riecht. Ich dachte immer, das liegt daran, daß die Sachen schlecht getrocknet worden sind, weil der Effekt bei Wäsche aus dem Trockner deutlich geringer ausfällt. Woher ich das weiß? Weil das bei uns auch manchmal vorkommt. Ich kenne aber auch Menschen, deren T-Shirts praktisch immer so riechen.

Eine Webseite von Henkel verweist darauf, daß man etwas mehr Waschmittel nehmen soll, weil nicht alle durch den Körper verursachten Verunreinigungen entfernt wurden. Das macht Sinn, weil mich als Chemiker der Geruch sehr an Buttersäure erinnert. Verbindungen der Buttersäure finden sich nämlich auch in menschlichem Schweiß. Und Chemiker wissen, wie lange sich höhere Carbonsäuren (von denen Buttersäure eine ist, genauer eine C4-Carbonsäure) in Kleidung halten können. Ich erinnere mich da an einen Fall von schwerer Verstinkung mit Carponsäure (C6-Carbonsäure) … Carponsäure hat ihren Namen von capra, lateinisch für Ziege hust

Der andere Fall von Geruchsbelästigung bezieht sich auf unangenehme Parfums. Man geht durch einen Supermarkt und läuft durch eine Fahne unglaublich beißenden Parfumgeruchs. Natürlich riechen Parfums für jeden von uns anders, aber manche stoßen halt doch in breiteren Schichten der Bevölkerung auf negatives Feedback als andere. Man sagte mir mal, daß Cacharelparfums (namentlich Lou Lou und Anais Anais) in den 90er Jahren in manchen Werbeagenturen den Mitarbeiterinnen per Arbeitsvertrag untersagt waren. Ich kann das gut verstehen, weil meine Schwiegermutter eine Zeit lang eine (für mich fast) tödliche Vorliebe für Cacharelparfums hatte.

Manche Leute nehmen diese Gerüche (und speziell den komischen Wäschegeruch) kaum wahr. Bei mir ist das anders, ich rieche das ziemlich extrem und mir wird übel davon. Was mich jetzt aber beschäftigt: Wie sagt man das den Leuten? Sagt man das überhaupt? Natürlich laufe ich nicht hinter jedem Fremden auf der Straße oder im Supermarkt her, der komisch riecht und reibe ihm/ihr das unter die Nase. Aber wenn man ab und zu mit jemandem zu tun hat und der/die riecht streng, bin ich trotzdem versucht, etwas zu sagen. Mache ich dann aber doch nicht, weil ich dafür zu höflich bin. Wie macht ihr das? Ein Patentrezept habt ihr wahrscheinlich auch nicht, oder?