Musik zum Wochenende – :wumpscut:, Thorns

Ich habe ein seltsames Faible für Coverversionen und Bearbeitungen. Das geht soweit, daß ich z.B. gut 50 Versionen von Greensleeves besitze. Heute möchte ich euch ein Stück von der Electro-Industrial-Band :wumpscut: vorstellen. Nämlich “Thorns” von “Bunkertor 7“. Thorns war das erste Stück, daß ich je von :wumpscut: gehört habe und es ist bis heute das einzige, daß mir gefällt. Dafür ist dieses eine aber wirklich außergewöhnlich. Und :wumpscut: hat 2 Versionen davon gemacht: eine normale und eine “Distant Vocals Version”.

Beide Versionen beginnen mit einer Art Lautensolo und haben im Schluß ein Sample aus dem Film Highlander mit Sean Connery.

Ich hoffe, das ist jetzt nicht zu gruftig für euch ;)

Musik zum Wochenende – Calvin Russel, Crossroads

Neben den schönen Bäumen würde ich gern noch eine kleine eher unregelmäßige Posting-Reihe eröffnen: Musiktips zum Wochenende. Mal altbekannte Sachen, mal Ungewöhnliches. OK, mehr ungewöhnliche Dinge. Den Anfang macht ein Ausschnitt aus meiner allerliebsten Musiksendung, dem wohl inzwischen leider eingestellten One Shot Not auf arte mit Manu Katché.

Auf der anderen Seite ist der Musiktip für jemanden, der mich vielleicht ein bisschen kennt, eher widersprüchlich. Ich mag nämlich keine Singer-Songwriter und ganz besonders mag ich keine Country- oder Western-Musik, und Calvin Russel vereint in “Crossroads” von beidem ein bisschen. In der Liveperformance in One Shot Not spielt nämlich ein Musiker einer anderen Band eine wohl elektrifizierte Mandoline (wenn es sich um ein anderes Instrument handelt, sagt mir bitte Bescheid!). In der Kombination sehr ungewöhnlich, aber genau das richtige für einen ruhigen Wochenendabend mit einem Glas Rotwein … auf der Terrasse …

Rezension: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Heute möchte ich euch zum Tag des Buches einen Roman vorstellen, den ich regelrecht verschlungen habe: “Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra”. Geschrieben hat ihn Robin Sloan und die deutsche Ausgabe (die ich gelesen habe) ist bei Blessing erschienen. Er handelt von einem jungen Mann namens Clay Jannon, der als Grafikdesigner keinen Job bekommt und deswegen eine Art Nebenjob sucht. So stößt er auf die seltsame Stellenanzeige von Ajax Penumbra, der einen Verkäufer für seinen Buchladen sucht. Und zwar für die Nachtschicht. Der kleine eigenartige Buchladen hat nämlich rund um die Uhr geöffnet. Daher der Name des amerikanischen Orginals “Mr. Penumbra’s 24-Hour Bookstore”.

Robin Sloan, Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Robin Sloan, Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Der Laden ist quasi zweigeteilt. Im vorderen Teil verkauft Penumbra “normale” Literatur, während der hintere Teil fast drei Etagen hohe Regale mit gebunden großformatigen Folianten enthält. Diese werden nicht von normalen Kunden gekauft, sondern von den etwas schrägen Mitgliedern eines eigenartigen Buchclubs ausgeliehen. Und die Verkäufer haben Buch darüber zu führen, wer wann welches Buch ausgeliehen hat, wobei sie die Kunden genau beobachten und alle Details in einem Logbuch  festhalten sollen. Clay ist fasziniert und versucht mit Hilfe seiner Freunde, einer Programmiererin von Google und einem Firmengründer, der die weltbeste Software für 3D-animierte weibliche Brüste erfunden hat, hinter das Geheimnis des merkwürdigen Buchclubs und seiner (offensichtlich verschlüsselten) Bücher zu kommen. Das Buch ist ausgesprochen gut geschrieben, die Handlung ist für jemanden wie mich perfekt, weil sie Internettechniken, einen Einblick in den Google Campus, ein bisschen Fantasyliteratur, alte Bücher und Typologie gekonnt miteinander verquickt. Die Publikation war in den USA mit einigem PR Getöse von Seiten von Google berunden:

Das Ende des Buches (das ich euch natürlich nicht verraten werde) ist fulminant und überraschend. Man lernt dabei sogar etwas über die Anfangszeit des Buchdrucks (OK, ich wußte das meiste davon schon). Ich kann euch das Buch nur wärmstens ans Herz legen. Wer vorweg schnuppern will, ob ihm der Schreibstil von Robin Sloan bzw. des Übersetzers gefällt, kann sich auch eine Kurzgeschichte namens “Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra” ansehen, die erklärt, wie Mr. Penumbra 1969 zum ersten Mal Kontakt zu der seltsamen Buchhandlung bekam, die er später dann leiten sollte. Die Shortstory gibt es als eBook bei

Viel Spaß zum Lesen!

Schöne alte Bäume – Stadtpark Aachen

Ich liebe alte, große Bäume, deswegen wird es jetzt ab und zu ein Posting mit Bildern von Bäumen geben :)
Den Anfang macht der Aachener Stadtpark an der Seite des Ungarnplatzes, wo es übrigens auch ein nettes kleines Bistro / Cafe in einem Kiosk gibt, das La Cabane.
Doch jetzt zum Baumriesen Nummer eins:

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Und einen zweiten habe ich auch noch gefunden:

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Wie steht’s mit euch? Mögt ihr Bäume? :)

Das pure Gift …

Es ist wieder so weit: überall wird entgiftet, oder neudeutsch gedetoxt, daß die Schwarte kracht. Im Tagesanzeiger gab es letztes Jahr eine sehr schöne Kolumne von Michèle Binswanger zu diesem Thema, die eigentlich schon sehr schön zusammen faßt, was ich davon halte. Einen weiteren interessanten Artikel hat fast zeitgleich Christine Pander für den Spiegel geschrieben.

Ich gebe es zu: ich bin Naturwissenschaftler. Wer mir gegenüber (oder auch allgemein öffentlich) eine Theorie propagiert, muß die mit Tatsachen belegen können. Und die Homöopathieaussage “Wer heilt hat Recht” ist kein faktischer Beweis. Weil es nämlich bis heute keine naturwissenschaftlich begleitete Studie gibt, die zweifelsfrei nachgewiesen hat, daß Homöopathie in irgendeiner Form funktioniert.

Das ist aber nicht mein eigentliches Thema. Seit einigen Jahren nimmt die Beschäftigung mit Ernährungstheorien (Paleo, Vegan etc.) immer breiteren Raum in der Öffentlichkeit ein. Veganismus steht da aufgrund seiner pseudomoralischen Begründung etwas außen vor, aber eines der aktuellsten und wirklich unsinnigsten Themen ist die Detox-Kur.

Hier geht man davon aus, daß sich Giftstoffe (Welche denn? Wo kommen die her? Wo genau sind die? Und welcher Mechanismus entfernt sie wieder?) im Körper sammeln. A priori wird ohne Faktenbeweis angenommen, daß das Leben, wie man es bisher geführt hat, den Körper nit Giften belastet hat. Nachweisbar sind diese Gifte natürlich nicht. Da wird dann die diffuse Gemengelage eines “es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die kann man (noch) nicht messen” bemüht. Wer sich mal mit Homöopathie beschäftigt hat, dem wird diese Nicht-Begründung schon bekannt vorkommen.

Da sind also nicht bestimmbare Schadstoffe im Körper. Und die sollen nun durch Zufuhr spezieller Getränke und Nahrungsmittel bzw. diätetisches Weglassen ebensolcher aus dem Körper entfernt werden. Kurze Zwischenfrage: wenn nicht genau bekannt ist, um welche Giftstoffe es sich konkret handelt, wie kann man dann ein “Gegenmittel” finden?

Wie der ernährungsphysiologisch ungebildete Naturwissenschftler schon vermutet hat, sagen auch die Experten, daß Detox-Produkte komplett wirklungslos sind. Was bleibt, ist das warme Gefühl im Bauch, “etwas für sich getan zu haben”. Das möchte ich auch niemandem nehmen. Aber versucht nicht, eine objektive Wirkung zu konstatieren, wo medizinisch lediglich der Placeboeffekt wirkt. Daß eine Fokussierung auf sich selbst einem Menschen helfen kann steht außer Frage. Aber mit den pseudowissenschaftlichen Ersatzreligionstheorien schadet man dem eigentlichen Anliegen aller dieser Bemühungen: dem Menschen zu helfen, egal auf welche Art. Und im Grunde wissen wir ja seit Zohan: das einzige, was immer hilft ist Humus!

Rodon

Kennt ihr das? Rezepte bzw. Gerichte, die nach Kindheit schmecken oder riechen? Dieses Rodonrezept ist Teil meiner – meist glücklichen – Kindheit.

Nach eigener Aussage kann meine Mutter praktisch nicht backen. Das mag sein, kann ich aber kaum beurteilen, weil sie praktisch nie gebacken hat. Mit Ausnahme dieses Rezeptes für einen Rodon bzw. Gugelhupf. Und es gibt Schauergeschichten über zusammen gefallene Hefekuchen und Soufflés. In Gegensatz dazu gehört dieser Rodon zu den einfachsten Rezepten, die ich kenne (tatsächlich ist er das einzige Backrezept, daß ich auswendig kann) und er gelingt immer.

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Und immer, wenn ich diesen Kuchen backe muß ich an meine Kindheit denken. Ich mag ihn eigentlich nur am ersten Tag, wenn er innen saftig, aber außen noch knusprig ist. Aber er schmeckt auch nach Tagen noch, wenn er denn so lange überlebt …

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Aber nun zum Rezept. Die Zutaten:

  • 300 Gramm Mehl
  • 300 Gramm Zucker
  • 300 Gramm Eier (das sind etwa 5 Stück)
  • 300 Gramm Butter oder Margarine
  • 1/2 Prise Salz
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 1 Päckchen Backpulver
  • etwas abgeriebene Zitrone oder 1 Päckchen Zitronenschale

Zubereitung:

Alle Zutaten zu einem cremigen glatten Teig verrühren. Nicht naschen! Eine Gugelhupfform ganz dünn ausbuttern (zu dick ausbuttern führt zu feuchten Stellen auf der Außenseite des Kuchens) und mit Semmelbröseln aka Paniermehl ausstreuen. Das Paniermehl ist für die knusprige Kruste unbedingt notwendig. Dann den Teig gleichmäßig in der Form verteilen. Nicht naschen! Zum Schluß die Form für 40-50 Minuten in den auf 175°C vorgeheizten Backofen stellen. Nach dem Backen in der Form auskühlen lassen und nicht sofort stürzen, weil er im heißen Zustand noch sehr weich ist. Viel Spaß beim nachbacken.

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Das hab ich nicht getan, weil ich sowas nie tun würde

Das Zitat aus dem Titel dieses Postings ist die sogenannte “vollständige rheiniscehe Indiktion” nach Konrad Beikircher. Also ein in sich logischer Beweis oder Rückschluß, der aber nur im Gehirn des Rheinländers funktioniert.

Ich benutze das mal als Einleitung zu einem kurzen Ausflug in die Kognitionspsychologie. Mein heutiges Thema ist der sogenannte “Confirmation Bias” oder auch Bestätigungsfehler. Am Ende des Postings werde ich ein paar weiterführende Literaturquellen dazu angeben für Leute, die weiter lesen bzw. hören möchten.

Ich habe schon einiges zu Wahrnehmungs- oder Logikfehlern gelesen, einfach weil ich das Thema interessant finde. Und heute bin ich mal wieder selbst auf den Confirmation Bias rein gefallen. Und das kam so:

Die Frau schaut im Fernsehen “Volle Kanne” und berichtet mir anschließend, daß da eine Ernährungsberaterin zu Wort kam, die sich ausdrücklich gegen “Low Carb” Diäten ausgesprochen hat, weil man dabei an einem Vitamin B bzw. Balaststoffmangel leiden könne. Ich frohlockte und wußte: da sagt endlich mal jemand die Wahrheit! Das wird nun einige Leute, die mich vielleicht kenne, gar nicht überraschen, weil ich bin halt sowas von gar kein Freund von Diäten. Andererseits halte ich eigentlich jeden Ernährungsberater für einen Scharlatan, da sie ähnlich wie Homöopathen, eigentlich keinerlei wissenschaftliche Beweise für ihre neuen Frühjahrsdiäten etc. haben.

Hier war aber jetzt plötzlich jemand aus dieser Zunft, der genau das behauptete, was ich gerne hören wollte. Doof nur, daß er einer Berufsgruppe angehörte, der ich als Naturwissenschaftler ausdrücklich mißtraute. Da seine/ihre Behauptung aber so wunderbar in meine subjektive Faktensammlung paßte (ich möchte jetzt gar nicht diskutieren, inwieweit ich “Recht” habe oder nicht), habe ich der These ohne Betrachtung der Person und Faktenlage geglaubt.

Das ist jetzt irgendwie traurig, andererseits beruhigt es mich, daß mir wenigstens auffällt, wenn ich in logische Gedankenfallen tappe. Vielleicht erkennt ja der eine oder die andere da seine eigenen Gedankengänge ein wenig drin wieder …

Und nun zu den versprochenen Links zu weiteren Informationen. Diese stützen sich im Wesentlichen auf 2 Personen:

Maledico ergo sum – Über den Sinn und Unsinn des Lästerns

Maledicere, lat., male = schlecht, dicere = reden. Über jemanden schlecht reden, lästern. In starken Bedeutungen, vor allem religiös: jemanden verfluchen.

Heute wollte ich mich mal mit einem Thema, daß häufig auf Twitter zu Diskussionen führt. Ich gebe es zu: ich lästere gerne. Allgemein definiert: ich sage meine (negative) Meinung zu Dingen, Menschen oder Vorgängen. Das ist an und für sich nichts ungewöhnliches, das macht ja jeder schon mal. Nur scheint der Effekt auf Twitter ein ungleich stärkerer zu sein.

Da scheint es mehrere Aspekte zu geben:

  1. Manche Menschen sind der Meinung, man solle öffentlich nur Gutes sagen und über alles Negative schweigen.
  2. Andere wiederum nehmen eine rein persönliche Meinung als allgemein gültige Regel.

Zu Punkt eins kann ich nur sagen, daß ich eine Kultur, die keine abweichende Meinung öffentlich zuläßt für ganz schön fad halte. Meiner Meinung nach (oha, da ist sie wieder, die eigene Meinung!) kommt diese Regel aus dem PR Bereich, wo sie sicherlich Sinn macht. Ein Twitter-PR-Account sollte nicht negativ über andere Menschen, Mitbewerber etc. lästern. Ich als private Person muß mich da nicht dran halten. Im Gegenteil, Privatpersonen, die das tun verlieren in meinen Augen (Obacht, schon wieder eine persönliche Meinung) sehr an Glaubwürdigkeit.

Wieviel Negatives man schreiben kann und wie tief (Gürtellinie, ihr kennt das) das gehen darf, ist eine zweite Frage. Hier Maß zu halten kann durchaus eine gute Idee sein, wenn man nicht der @Griesgrämer ist. Da ist sicherlich bei jedem Menschen die Toleranzschwelle anders …

Was den zweiten Punkt angeht, habe ich das Gefühl, daß manche Leute Twitter überschätzen. Oder mich. Oder mein Ego. Oder ihr eigenes. Bin mir da nicht ganz sicher. Aber wenn ich meine (positive oder negative) Meinung zu etwas laut sage, heißt das nicht: “Seid jetzt alle meiner Meinung”. Und auch nicht: “Das ist so. Punkt.”. Nein, es heißt nur: das ist meine persönliche Meinung und ich bin groß genug, damit klar zu kommen, daß ich evtl. der einzige auf der Welt bin, der das so sieht. Und ich bin mir sicher, daß meine Meinung im Zweifelsfall einfach niemanden interessiert. Das ist aber kein Grund sie nicht zu sagen, sonst müßte jeder auf Twitter (oder sonstwo im Netz) die Klappe halten.

So, nachdem ich das gesagt habe, darf ich vielleicht weiterhin vor mich hin granteln :)

Ein Patient namens John P.

Vorbemerkung

Da das Thema ab und zu aufkommt, und ich mir das auch mal von der Seele schreiben wollte, berichte ich hier kurz über eine relativ seltene Krankheit, die bei mir vor wenigen Jahren diagnostiziert wurde. Ich weiß nicht, ob Neugier eine “Berufskrankheit” von Naturwissenschaftlern ist, aber seitdem beobachte ich das quasi von außen und hab einiges zu dem Thema gelesen.

Allgemeines

Anfang der 80er Jahre wurde ein Patient bei seinem Arzt vorstellig, der im Wesentlichen unter rheumaartigen Schmerzen in den Muskeln und Gelenken klagte. Bei ihm wurde zum ersten Mal der sogenannte Anti-Jo1-Antikörper nachgewiesen. Die schlußendlich festgestellte Krankheit war bis dahin nicht bekannt bzw. benannt worden und gehört zu den den sogenannten Polymyositis-Erkrankungen. Man spricht auch von einem autoimmun bedingten rheumatischen Overlap-Syndrom, weil verschiedenste Körperteile betroffen sein können:

  • Gelenke
  • Muskeln (auch der Herzmuskel)
  • Sehnen
  • Lunge
  • Augen (trockene Augen sind üblich)
  • Haut (Dermatosen, Schuppung, übermäßige Hormhautbildung, sog. “Mechanikerhände”)
  • Effloreszenzen der Knöchel (hellrote Knöchel, sieht aus, als habe man an einem kalten Tag keine Handschhuhe getragen)
  • Durchblutung (sog. Reynaud-Syndrom)

Ich nun wieder

Bei mir traten halt anfangs massive Muskelschmerzen auf, die so weit gingen, daß ich morgens 2 Stunden vorsichtige Bewegungen brauchte, bis ich aus dem Haus gehen konnte. Und auch dann fühlte ich mich, wie ein alter Mann (JA, ich bin alt, ich weiß ;).

Bei einem Besuch beim Internisten wurde dann ein unglaublich hoher LDH-Wert im Blut gemessen. Dabei handelt es sich um Lactatdehydrogenase, eine Gruppe von Enzymen, die beim Abbau von Muskeln eine Rolle spielen. Man kann dann genauer hinschauen, welche Art LDH zu finden ist, um darauf zu schließen, welcher Typ Muskel abgebaut wird. Bei mir war es der Typ LDH-5, der für den Abbau von quergestreiften Muskeln verantwortlich ist, aus denen sich die Skelettmuskulatur zusammen setzt. Auf die Art kann man zum Beispiel auch einen Herzinfarkt nachträglich diagnostizieren, weil man dann LDH-1 findet. Bei mir sind momentan die Haut, die Muskeln, die Sehnen und Gelenke sowie die Lunge betroffen.

Therapie

Jetzt kommen wir in den Bereich, der mich als Chemiker brennend interessiert. Behandelt wird das Jo1-Syndrom sozusagen symptomatisch, sprich, man versucht, die statt findenden Prozesse weitgehend zu unterdrücken. Da es sich um eine Autoimmunkrankheit (übrigens nicht meine erste, ich hatte schon mal eine sog. Glomerulonephritis, aber das ist eine andere Geschichte, die gut ausging) handelt, findet man potentielle Medikamente in der Gruppe der Immunsuppressiva. Allen voran das berühmte Cortison und Methotrexat sowie Cyclophosphamid, seltener Ciclosporin (das hab ich damals bei der Nierengeschichte genommen). Bei mir kommt Methotrexat oder kurz Metex zum Einsatz, das normalerweise als Zytostatikum in der Krebstherapie in viel höheren Dosen eingesetzt wird. Metex ist ein Folsäureantagonist, das heißt, es reagiert im Körper mit den Rezeptoren wie Folsäure (die ja zu den lebenswichtigen Vitaminen gehört), aber es wirkt nicht wie Folsäure. Der Effekt ist, daß die entzündeten Zellen, die einen sehr viel höheren, schnelleren Stoffwechsel haben als der Rest des Körpers, sozusagen ausgehungert werden. Man nennt dieses Wirkungsprinzip “Chemoselektivität”.  Nach einer (wöchentlichen) Metex-Spritze erfolgt 2 Tage später der Abbruch der Therapie durch hochdosierte Folsäure, da sonst Leberschäden etc. drohen. Zusätzlich nehme ich noch Vitamin D3 und B12, da man häufig beobachten kann, daß Patienten in diesem Zusammenhang ein Defizit dieser Vitamine aufweisen.

So, das wars erst mal. Das wollte ich mal irgendwo aufschreiben.

Blau – Die Geschichte einer Farbe

Heute möchte ich euch kurz ein sehr interessantes Buch vorstellen, von dem ich in einer Rezension auf WDR3 gehört habe. Geschrieben hat es Michel Pastoureau, ein französischer Mediävist und Symbologe. Pastoureau ist spezialisiert auf Heraldik und die Kulturgeschichte der Farben in Kunst und Gesellschaft.

Blau-Geschichte

 

Pastoureau beschreibt sehr anschaulich und lebhaft, wie sich die Farbe Blau anders als die meisten anderen Farben in der Kunst und Mode seit der Antike entwickelt hat. In der Antike wurde Blau so sehr ignoriert, daß die Kunsthistoriker in den letzten beiden Jahrhunderten aufgrund der fehlenden Erwähnungen mehrfach die Theorie aufgestellt haben, daß die Menschen der Antike kein Blau sehen konnten. Das ist natürlich vollkommener Quatsch. Bei den Römern galt Blau als Farbe der Barbaren (Kelten und Germanen) und wurde deshalb als minderwertig angesehen. Im Mittelalter war Blau dann auch in der Kunst fast nie und bei gefärbten Stoffen äußerst selten anzutreffen. Später war Bla die Farbe der Könige. Vorreiter waren hier die französischen Könige, wie schon die Fleur-de-lis, die französische Wappenlilie zeigt. Heute ist Blau in der westlichen Kultur eine der mit Abstand beliebtesten Farben. Man denke nur an Jeansstoffe

Das änderte sich mit der Zeit und die Nachfrage nach möglichst kräftig gefärbten blauen Stoffen trieb die Färbetechniken voran. Einer der ersten blauen Farbstoffe für das Färben von Stoffen war der Färberwaid. Im Laufe des ausgehenden Mittelalters und der Renaissance wurde der Waid dann nach und nach durch aus Asien und später Amerika importierten Indigo ersetzt, der etwa zehnmal intensiver färbt. 1870 erfolgte die erste künstliche Synthese von Indigo durch Adolf von Baeyer.

Sehr anschaulich beschreibt Pastoureau, wie die sich ändernde Gesellschaft nach neuen Farben für Stoffe verlangt und die Maler immer auf der Suche nach einem kräftigeren und leuchtenderen Blau sind. Wer sich also für Farben im Allgemeinen interessiert, oder wessen Lieblingsfarbe sogar Blau ist, dem kann ich dieses kleine Buch nur wärmstens empfehlen.

Bibliographische Daten:
Titel: Blau – Die Geschichte einer Farbe
Autor: Michel Pastoureau
Verlag: Verlag Klaus Wagenbach
ISBN: 978-3-8031-2718-1
Verlagslink: Blau – Die Geschichte einer Farbe